4. Februar Weltkrebstag

Hallo meine Lieben

Der 4. Februar ist für viele Menschen ein Tag wie jeder andere auch. Ein Tag ohne Bedeutung. Dabei ist am 4. Februar Weltkrebstag. Ein Thema, dass uns alle angeht. Den Krebs macht keinen Unterschied und schaut darauf welches Alter man hat, aus welcher Kultur man kommt oder welcher Religion man angehört. Krebs ist es egal ob man arm oder reich ist. Er nimmt keine Rücksicht darauf ob man für sein Leben Pläne schmiedet oder gerade dabei ist seine Träume zu verwirklichen. Dieses Geschwulst kann jeden von uns treffen. Egal wann und wo.
Das erste mal kam ich mit 13 Jahren mit dem Thema in Berührung. Meine Mutter hatte von heut auf morgen Blut im Stuhl und musste sofort ins Krankenhaus. Obwohl ich ein junger Teenager war, verstand ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich, warum meine Mutter nun im Krankenhaus lag. Ich durfte sie nur am Wochenende sehen und wenn sie zwischen den Chemotherapien Zuhause war, ging es ihr nicht gut und sie hat auch viel geschlafen.

In der Zeit als meine Mutter im Krankenhaus lag, war ich meinen Stiefvater alleine Zuhause.
Mein Stiefvater war für mich wie mein leiblicher Vater. Er war im Gegensatz zu meinem Erzeuger immer da…. zumindest auf seine Art und Weise.
Mein Bruder war ausgezogen und meine Schwester lebte bei meinen Erzeuger.
Meine Geschwister waren oft mit meiner Mutter wegen banalen Themen zerstritten. Und so kam es, dass ich schon im frühen Alter Verantwortung übernehmen durfte. Durch den Dickdarmkrebs meiner Mutter veränderte sich nicht nur ihr Leben sondern auch meines.

Nach der Schule, machte ich die Hausaufgaben. Dann kümmerte ich mich um den Haushalt. Ich hab alleine die Wohnung geputzt, die Wäsche gewaschen und gebügelt, während mein Stiefvater für uns gekocht hatte. Es war nicht sehr viel Zeit zwischen Schule, Hausaufgaben und Haushalt und so kam es, dass ich irgendwann den Bezug zu meinen Freunden verlor. Ich kann es verstehen, für jeden drehte sich die Welt auf seine Art und Weise weiter. Niemand von meinen Freunden, musste Zuhause mit anpacken. Sie konnte sich voll und ganz auf Schule, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten konzentrieren.

Während meine Mutter noch im Krankenhaus lag, bemerkte mein Stiefvater ein Geschwulst am Hals. Er ließ sich das von der HNO Ärztin ansehen und sie meinte dann zu ihm dass es ein Tumor sein konnte. Dadurch, dass meine Eltern niemand hatten, die sich um mich kümmern konnten, wartete mein Stiefvater bis meine Mutter aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Sie machten so zu sagen einen Abklatsch.

Als meine Mutter Zuhause war, wurde es etwas leichter für mich, aber ich merkte dass sich trotzdem etwas verändert hatte und das es nie wieder so sein würde, wie es einmal war.
Meine Mutter war ständig im Krankenhaus. Entweder besuchte sie meinen Stiefvater oder sie hatte einen Kontrolltermin. Mein Stiefvater hatte Zungengrundkrebs. Meinen Stiefvater besuchte ich nur einmal in der Woche und wenn dann war ich immer sehr müde.

Ich kann mich gut an einen der schlimmsten Tage erinnern…. Es war Sommer. Meine Mutter war Nachmittags immer im Krankenhaus und kam gegen 17 Uhr Nachhause. Sie war kreidebleich, Ihre Augen waren rot. Tränen floßen über ihre Wangen. Sie kam wie entgeistert in die Wohnung, ging direkt ins Wohnzimmer und setzte sich dort auf den Sessel. Ich ging ihr nach,… schaute sie fragend an und sie meinte dann nur: „Der Vati hat nur noch 2 Wochen zum Leben.“

Ich war ca. 14 oder schon 15 Jahre als mir meine Mutter das so direkt sagte. Für mich brach eine Welt zusammen. Egal wie das Verhältnis zu meinen Stiefvater war,… aber ich wollte zu diesem Zeitpunkt, alles andere als das er uns verlässt. Ich entwickelte seit diesem Zeitpunkt starke Verlustängste.

Die zwei Wochen bestand aus Kummer, Trauer und Angst. Dann ging es ihm Schlagartig besser und dann kam diese nächste Hiobsbotschaft. Immer wieder hörten wir, dass wir nicht mehr viel Zeit mit ihm hätten und immer wieder hat er sich gefangen.

Mein Stiefvater lebte im übrigen 25 Jahre länger, als was die Ärzte diagnostizierten.
Allerdings ging er durch seine ganz persönliche Hölle. Er hatte keine Stimme mehr. War Kraftlos ans Bettgefesselt und konnte nur noch über eine Sonde ernährt werden. Er wurde durch den Krebs ein Pflegefall der bis zu seinem Tot, täglich Medikamente nehmen musste. Dadurch dass sein Leben ein dahin vegetieren war,… war er auch oft mürrisch und für ihn gab es dann auch nichts anderes mehr als den Fernseher.

In den Jahren wo mein Stiefvater so dahin lebte, starb mein Erzeuger an Krebs und meine Schwester bekam Eierstockkrebs. Allerdings habe ich diese Zeit bei den beiden nicht so intensiv miterlebt wie bei meiner Mutter und meinen Stiefvater.

Bei einem Kontrolltermin bei meiner Mutter bemerkte man, dass sich Metastasen ausgebreitet haben. Zuerst war die Leber befallen, dann die Lunge und später das Gehirn, woran sie dann auch starb.

Bei meiner Mutter saß die Angst vor dem Krebs sehr tief. Sie schob ihre Erkrankung hauptsächlich auf die Lebensmittel die sie zu sich nahm. Passte ständig ihre Ernährung an und ich hörte immer solche Sätze wie: „Der Strunk von den Tomaten ist Krebs fördernd.“ An manchen Tagen hör ich noch immer ihre Stimme,… die mit ihren „Psychoterror-Krebsthema“ in meinen Nacken sitzt. Als sie noch lebte, habe ich sogar mit ihr deshalb das Gespräch gesucht,… dass mir diese Art von Gesprächen zu viel werden, weil man ständig in Angst leben müsste, von was man nicht alles Krebs bekommt. Das Gespräch brachte nicht sehr viel.

Ihre Angst sie war normal.,… man weiß nicht was die Zukunft bringt. Es ist eine Ungewissheit mit der man jeden Tag leben muss.

Nun wo ich selbst vor 3 Jahren an Leukämie erkrankte und zum Glück auf einen guten Weg bin, kann ich ihre Angst besser den je verstehen. Ständig wenn mein Kreislauf zusammenbricht denk ich an die Anfangszeit der Leukämie zurück. Ich bekomm Angst dass alles wieder von vorne Anfängt. Die Angst sie steckt sehr tief. An manchen Tagen ist sie sehr präsent und an anderen Tagen leb ich normal dahin. So als hätte ich nie Krebs gehabt. Ich  versuche jeden Tag zu genießen, jeden Moment aufzusaugen. Den man weiß nicht, was als nächstes kommt.

Vor ein paar Tagen,… bekam ich die Botschaft, dass nun eine Freundin von mir Krebs hat. Die Ärzte wissen noch nicht wo der Krebs sitzt aber das sich bereits Metastasen ausgebreitet haben.
Es war wieder so ein Moment wo mir in Erinnerung gerufen wurde, wie wichtig es ist unser Leben, bewusst zu Leben, da wir nur ein Leben haben. Genießt jeden Augenblick und lebt jeden Tag so, dass ihr nichts zum Bereuen habt.

Ich habe irgendwie das Gefühl,… dass Krebs wirklich zu einer Volkskrankheit wurde. Egal wo man hinschaut oder zuhört, man spricht von Krebs. Und das schlimme ist,… das der Krebs nicht nur das Leben von einer Person verändert sondern von ganzen Familien. Manche Beziehungen entwickeln sich zum Positiven und manche gehen dadurch kaputt. Es ist für niemanden leicht. Weder für Betroffene noch für die Angehörigen.

Ich denke, dass es wichtig ist, dass man sich in dieser Zeit auf sich selbst und seine Heilung fokussiert. Das man Dinge lost lässt, die einem nicht gut tun um nicht noch mehr unnötigen Ballast mitzuschleppen. Den die Behandlung kostet genügend Kraft.

Es ist eh erstaunlich, dass 3000 vor Christus Krebs das erste mal von den Chinesen diagnostiziert wurde und dank der Krebsforschung eine positive Entwicklung in der Krebsgesschichte gibt die auch Hoffnung auf Heilung und Leben schenkt.

Auf diesem Weg, möchte ich noch meiner Freundin und allen anderen die an Krebsleiden, alles Gute und viel Kraft wünschen. Das ihr gut diese schwere Zeit übersteht. Ich bin im Gedanken bei euch!

Liebe Grüße &

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